top of page

Alte Dombach. Projekt 05

Datum. 2003

Stadt. Bergisch Gladbach

LVR-Industriemuseum. Papiermühle Alte Dombach

02_herstellung.jpg

Kleine Miniaturen und alte Kupferstiche zeigen die aufwendige Herstellung von Papier. Ein Mühlrad, ein Lumpenstampfwerk und eine Laborpapiermaschine erleben Sie in Aktion, man bekommt eine Ahnung von den teils menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen unter denen Papier früher hergestellt wurde. 

 

Bis etwa 1870 stellte man Papier aus Lumpen her, den Hadern. Geeignet waren nur Textilien aus Pflanzenfasern. Der größte Teil der Hadern bestand aus Leinen, das aus Flachs oder Hanf gefertigt war. Um den Jahresbedarf von einer Schöpfbütte zu decken, brauchte man die abgetragene Kleidung (z.B. Unterwäsche und Hemden) von 1.500 Menschen. Die erste Bearbeitung fand in der Lumpenkammer statt. Das Zerkleinern, Sortieren und Reinigen der Lumpen war Frauen- und Kinderarbeit. Das war nicht nur eine ziemlich übelriechende Tätigkeit, sie verursachte auch durch den vielen Staub und Dreck oft Infektionskrankheiten wie Milzbrand. In separaten Faulkellern ließ man die Lumpen anschließend einige Wochen auf einem Haufen liegen. Dabei erwärmten sie sich und bildeten Schimmel und Schleim. Der Haufen wurde ab und zu gewendet. Der Fäulnisprozess löste Farbstoffe und Verschmutzungen und machte die Fasern weich und mürbe, so dass sie leichter weiterzuverarbeiten waren.

 

Die älteste Maschine zur Herstellung von Faserbrei für die Papierproduktion war das Stampfwerk. Es war das aufwendigste Gerät in den vorindustriellen Papiermühlen und wurde von einem Mühlrad angetrieben. Üblicherweise hatte ein Stampfwerk vier Stampflöcher, in die nacheinander jeweils drei bis vier Hämmer fielen. Die Hämmer zerfaserten die mit Wasser vermischten Lumpen. Durch die Abhängigkeit von der Wasserkraft kam es bei Niedrigwasser infolge von Trockenheit zu Produktionsausfällen. Um 1800 wurden in den Papiermühlen sogenannte Holländer aufgestellt, in denen sich der Faserbrei schneller bearbeiten ließ. Der Name leitet sich von ihrer Erfindung in den Niederlanden ab. Die Holländer waren 150 Jahre lang die wichtigsten Maschinen zum Mahlen des Papierbreis.

 

In den Papiermühlen entstand das Papier in Handarbeit. Der Schöpfer tauchte ein Sieb mit abnehmbarem Rand in den Papierbrei. Beim Herausnehmen des Siebes bildete sich ein Faservlies. Der Schöpfer reichte das Sieb an den Gautscher weiter, der das frische Papierblatt auf einem Filztuch abdrückte. Auf das Blatt legte der Gautscher ein weiteres Filztuch für den nächsten Arbeitsschritt. Der fertige Stapel aus Papierbögen und Filzen wurde anschließend in einer großen Presse entwässert.

 

Das Trocknen des handgeschöpften Papiers erforderte viel Platz. Mehrstöckige Speicher zum Aufhängen der Bögen waren charakteristisch für Papiermühlen. Danach wurde das Papier häufig weiterbehandelt. Durch diese Oberflächenbehandlung werden Papiere mit verschiedensten Eigenschaften erzeugt. In den Papiermühlen tauchte man die fertigen Bögen in Leim: Er füllt die Poren und verhindert so das Verlaufen der Tinte. Um 1800 wurde die so genannte Masseleimung von Papier erfunden: Der Leim wurde nun bereits dem Papierbrei zugegeben.. In den meisten Mühlen gab es keine Maschinen zum Glätten von Papier. Die Bögen wurden einzeln mit einem Stein oder Holz glatt gerieben. Manchmal standen Hammerglättwerke zur Verfügung.

bottom of page